Premiere nach nur zwei Monaten

Vor Jahrzehnten wurde an der Einsiedler Hauptstrasse nicht nur in einer Taube gewirtet, sondern auch in einem Falken. Friedlich ist es aber auch im Haus Falken zugegangen, «wo sich immer einige Freunde echter Kunst einfanden». Diese hat Linus Birchler am 7. Juni 1924 zusammen mit Peter Erkelenz aufgesucht und ihnen die Idee unterbreitet, auf dem Klosterplatz «Das grosse Welttheater» aufzuführen. So berichtete es 1991 Wernerkarl Kälin in einer Schrift des Kulturvereins Chärnehus.
 
Der Einsiedler Kunsthistoriker und der deutsche Schauspieler lernten sich kurz vorher auf Vermittlung von Abt Ignatius Staub kennen und einigten sich schnell darauf, mit dem geistlichen Spiel von Pedro Calderón de la Barca an die unterbrochene Einsiedler Theatertradition anzuknüpfen. Endlich kam Linus Birchler also seiner Vision, den Klosterplatz für genau diesen Zweck zu nutzen, einen entscheidenden Schritt näher.  Und die «Freunde echter Kunst» waren offenbar sofort Feuer und Flamme. Anders kann man sich aus heutiger Sicht nicht erklären, dass sie schon vierzehn Tage danach, am 21. Juni 1924, beschlossen, «Das grosse Welttheater» Mitte August, nur acht Wochen später, auf die gepflästerte Bühne zu bringen. Man war überzeugt, das Vorhaben bei guter «Zusammenarbeit des Einsiedler Volkes ohne Unterschied der Parteien, der Stände, der Verhältnisse» in kürzester Zeit umsetzen zu können.
 
Präsident des Organisationskomitees wurde Postverwalter und Kantonsrat Franz Kälin, der während den folgenden vier Spielzeiten auch der «Gesellschaft der Geistlichen Spiele» vorstand. Ihm und den zahlreichen Kommissionen, die gebildet werden mussten, gelang eine Aufführung, die sowohl beim Publikum als auch bei der Presse gut ankam. Einen wesentlichen Anteil am Erfolg hatten natürlich – das war früher gleich wie heute – die Mitwirkenden: «Ein Meisterwerk katholischer Dichtkunst wird dargeboten von 200 katholischen Spielern, denen die Religion Herzenssache ist».
 
Walter Kälin
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