«Kostümierte Darsteller und geschulte Dilettanten»

Ja, die Spielerinnen und Spieler durften vor hundert Jahren noch dilettantisch sein. Nicht weil die Erwartungen des Publikums weniger hoch gewesen wären als heute, sondern weil «Dilettant» damals noch kein Schimpfwort war. Das italienische «dilettare» steht für «erfreuen, ergötzen», und «dilettarsi di teatro» bedeutet somit «sich zum Vergnügen mit Theater beschäftigen». So war es denn nicht abwertend gemeint, wenn ein Journalist nach dem Besuch des Welttheaters 1924 festhielt: «Über 200 kostümierte Darsteller aus Einsiedeln selber und sechs geschulte Dilettanten aus dem nahen Zürich agierten das erhabene Stück».
 
Das Zitat ist im Prospekt für 1925 abgedruckt, der in Deutsch, Französisch und Holländisch aufgelegt wurde. Dort war auch zu lesen, dass man das Welttheater eigentlich erst wieder in fünf Jahren aufführen wollte. Aber «der grosse, unbestrittene Erfolg ermutigt die Spielleitung, von dem gefassten Entschlusse abzuweichen», heisst es weiter. Das Mysterienspiel werde besonders auch «im Hinblick auf den letztjährigen Regensommer, der viele vom Besuche abhielt» wiederholt.
 
Die Theaterbegeisterten aus dem Dorf bildeten die himmlischen und weltlichen Chöre. Für einen grossen Teil der doppelt besetzten Hauptrollen wurden aber bis 1930 Mitglieder der Freien Bühne Zürich beigezogen. Diese Wandertheatergruppe gab es seit 1917 und zählte rund dreissig Schauspielerinnen und Schauspieler. Der Mitbegründer Emil Gyr etwa übernahm in Einsiedeln dreimal die Rolle des Landmanns, Wilhelm Zimmermann, der spätere Leiter der Bühne, spielte zweimal den Reichen und einmal den König. In der zweiten Besetzung tauchten aber bereits einheimische Namen wie Birchler, Ochsner, Grätzer, Hensler oder Kälin auf.
 
Den Meister gab der Regisseur Peter Erkelenz jeweils gleich selber. 1930 konnte er allerdings wegen seinen Filmengagements in den USA und in Deutschland nicht mehr dabei sein. 1931 stellte er einen Gefängnisdirektor im Film «Men behind Bars» dar und ein Jahr später war er in einer frühen Verfilmung des Romans «An heiligen Wassern» von Jakob Christoph Heer als Ingenieur Roman Blatter zu sehen. Nach Angaben verschiedener Websites verstarb Erkelenz 1966 im Alter von 69 Jahren.
 
Walter Kälin
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